Innsbruck Informiert
Jg.2025
/ Nr.9
- S.7
Suchen und Blättern in knapp 900 Ausgaben und 25.000 Seiten.
Gesamter Text dieser Seite:
© C. FORC
HER
© M. DARMANN
Die im November 2024 neu gewählte Vorsitzende des
Behindertenbeirats Julia Golser mit ihrem Vorgänger
Werner Pfeifer (l.) und Michael Berger (stv. Vorsitzender).
Inklusion für alle Sinne
Ziel der Inklusion ist es, Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen
zu ermöglichen, unabhängig und selbstständig leben zu können. Mehrere
Einrichtungen stehen in Innsbruck als Anlaufstellen zur Verfügung.
D
er Feueralarm im Hotel, der nur
akustisch funktioniert – der Hörbeeinträchtigte bleibt auf der
Strecke. Die Umleitung bei der Baustelle, die in einer für Rollstühle, Rollatoren
(oder auch Kinderwägen) unüberwindbaren Rampe mündet. Eine kurzfristige Bahnsteig-Änderung am Bahnhof
kommt als Durchsage: Wer nichts hört,
gelangt nicht an die Information. Der
moderne Touchscreen im Museum ohne
separates, tastbares Eingabefeld – all
das erschwert den Alltag behinderter
Menschen.
Dabei könnte es so einfach sein: Viele Hürden lassen sich mit einfachen technischen
oder baulichen Möglichkeiten überwinden
und ermöglichen die Teilhabe aller Menschen. Zusatztexte, Hinweise und Anleitungen in Einfacher oder Leichter Sprache
helfen beispielsweise auch Menschen, die
generell mit sinnerfassendem Lesen Probleme haben – davon sind in Tirol rund
270.000 Menschen betroffen.
12
INNSBRUCK INFORMIERT
Gleiche Rechte
Menschen mit Behinderungen möchten als
Teil der Gesellschaft gleichwertig behandelt werden und selbstverständlich dazugehören. Sie haben dieselben Rechte wie
jede Bürgerin und jeder Bürger und streben danach, ihr Leben weitgehend selbstständig zu führen – sei es beim Wohnen, in
der Freizeitgestaltung, im Verkehr, in der Arbeit oder in der Schule. Aufgrund ihrer Eingeschränktheit in bestimmten Bereichen
sind sie jedoch auf Unterstützung angewiesen. „Das Spektrum, das es zu berücksichtigen gilt, ist sehr groß, denn jeder Mensch
mit Behinderungen ist anders“, erklärt
Mag. Wolfgang Grünzweig, einer der städtischen Behindertenbeauftragten.
Barrierefreiheit wurde lange nur als Erleichterung für in ihrer Mobilität beeinträchtigte Personen verstanden. Aber auch Blinde,
die keine Lichtsignale sehen, oder Gehörlose, die keine akustischen Signale wie Türglocken oder Feuermelder wahrnehmen
können, sind auf Unterstützung angewie-
sen. „Mitunter sind einfache technische Lösungen möglich, die man insbesondere bei
Neubauten mit bedenken sollte“, hält Mag.
Wolfgang Grünzweig fest.
„Jeder Mensch hat das Recht, sein Leben möglichst
selbstbestimmt zu führen. Unterstützung macht das
Leben leichter – wir wollen mittels verschiedener Gremien und Anlaufstellen Menschen mit Behinderungen
die gleichen Chancen bieten, so wie es ihnen zusteht.
Zugleich soll auch die Bevölkerung für diese Themen
sensibilisiert werden.“
Vizebürgermeisterin Mag.a Elisabeth Mayr
Im September 2024 wurde Julia Golser
(Selbstbestimmt Leben Innsbruck/SLI) zur
Vorsitzenden des Behindertenbeirats gewählt. VertreterInnen von 16 Institutionen
repräsentieren darin die Interessen von
Menschen mit Behinderungen in der Stadt.
Unter Mitwirkung des Beirats wurden unter
anderem bauliche Maßnahmen für Barrierefreiheit umgesetzt, die digitale Inklusion
vorangetrieben und die Bedürfnisse behinderter Menschen werden in politischen
Prozessen stärker berücksichtigt.
Das Leben erleichtern
Gemeinsam mit Wolfgang Grünzweig betont Vizebürgermeisterin Elisabeth Mayr:
„Es gilt an vielen Stellschrauben zu drehen
und das Bewusstsein für ein barrierefreies
Leben weiter zu stärken. Wir als Stadt Innsbruck versuchen als Vorbild zu wirken, gerade bei der Neugestaltung von Spiel- und
Aufenthaltsplätzen, dem Bau von Bildungseinrichtungen und dem bestens etablier-
ten Gebärdensprach- und Schriftdolmetschen von Gemeinderatssitzungen.“
Beide erklären zudem: „Wir setzen uns auch
weiterhin dafür ein, dass möglichst alle Veranstaltungsräume, Sportstätten, Gastgärten und Baustellen barrierefrei gestaltet
werden.“ Wolfgang Grünzweig ergänzt zwei
ganz praktische Beispiele: „Ein Bewohner
eines Mehrparteienhauses hat nach einem
Unfall auch etwas vom nachträglich eingebauten Lift, selbst wenn die Anschaffung
vergleichsweise teuer war und er selbst
zum Zeitpunkt des Einbaus noch keinen
Eigenbedarf hatte. Genauso kann jemand
mit Hörsturz oder Tinnitus eine blinkende
Türklingel mit sichtbarem Signal gut brauchen.“ Abschließend ist das Fazit zulässig,
dass 10 Prozent der Bevölkerung die Unterstützung durch barrierefreie Maßnahmen
ständig braucht und 50 Prozent zeitlich beschränkt. Für 100 Prozent aber macht sie
das Leben leichter. AS
Neue Anlaufstelle
Um auf diese geänderten Rahmenbedingungen eingehen zu können und den betroffenen Menschen einen professionellen
Anlaufpunkt zu bieten, steht im Stadtmagistrat ab 1. September eine eigene Koordinationsstelle für Barrierefreiheit, Inklusion und Teilhabe zur Verfügung. Die
ressortzuständige Vizebürgermeisterin
Mag.a Elisabeth Mayr erklärt: „Diese Stelle
bedeutet eine Stärkung des wichtigen Themas Inklusion und ist eine wertvolle Ergänzung zum Behindertenbeirat (BBR), der seit
2002 den Gemeinderat und den Stadtsenat
als unabhängiges, weisungsfreies Beratungsorgan ehrenamtlich unterstützt und
sich als Interessenvertretung aktiv für Barrierefreiheit, Inklusion und Teilhabe aller
Menschen in Innsbruck einsetzt.“
Anlaufstellen in Innsbruck im Überblick
• Behindertenbeirat der Stadt Innsbruck,
www.innsbruck.gv.at/behindertenbeirat
• Gehörlosenverband Tirol, Ing.-Etzel-Straße 67,
Telefon +43 512 586162, www.gehoerlos-tirol.at
• Blinden- und Sehbehindertenverband Tirol (BSVT),
Amraser Straße 87, Telefon +43 512 33422, www.bsvt.at
• Bundesverband für Menschen mit Behinderungen (ÖZIV Tirol),
Bürgerstraße 12, Telefon +43 512 571983, www.oeziv-tirol.at
• Selbstbestimmt Leben Innsbruck (SLI), Anton-Eder-Straße 15,
Telefon +43 512 578989, www.selbstbestimmt-leben.at
• Integration Tirol, Haller Straße 109, Telefon +43 699 19995556
www.integration-tirol.at (Familienberatung)
• Verein frei:wärts, +43 660 925 9159, www.freiwaerts.com (persönliche
Assistenz)
• Innovia Arbeitsvermittlung, Rennweg 7a, Telefon +43 676 84384330,
www.innovia.at
• Selbsthilfe Tirol, Innrain 43, Telefon +43 512 577198,
www.selbsthilfe-tirol.at AS
Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
INNSBRUCK INFORMIERT
13