Innsbruck Informiert
Jg.2025
/ Nr.11
- S.22
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Stadtgeschichte
Unter dem Banner
des Roten Kreuzes
und wurde als „Ehrenstiftsdame“ geführt.
Voll eingetreten scheint sie aber erst 1947
als Ersatz für ihre 1935 aufgenommene,
jetzt verstorbene Schwester Caroline zu
sein. Marie Gabrielle war damit eine der
drei letzten Stiftsdamen, die damals noch
im Stift lebten.
Sie verbrachte vier Jahre ihres Lebens als Rotkreuz-Schwester im Ersten
Weltkrieg. Später bildete sie für das Rote Kreuz Tirol Sanitäterinnen aus.
1929 wurde der Tiroler Berufskrankenschwester Marie Gabrielle Lodron
die Florence-Nightingale-Medaille verliehen.
von Ernst Pavelka
INNSBRUCK INFORMIERT
riet Marie Gabrielle Anfang November
1918 mit anderen Krankenschwestern in
Malé in italienische Kriegsgefangenschaft.
Nach drei Wochen ging es nach Trient, wo
der Gruppe aufgrund einer Intervention
von Marie Gabrielle beim Wachkommandanten die Freilassung in Aussicht gestellt
wurde. Am 25. November wurde sie von
italienischen Militärs zur österreichischen
Grenze begleitet, wo man sie freiließ.
Nightingale-Medaille, verliehen. Die Laudatio hielt die Präsidentin des Frauenhilfsvereines vom Roten Kreuz für Tirol
Ottilie Stainer, die Medaille wurde der Geehrten von Landeshauptmann-Stellvertreter Tragseil an die Brust geheftet.
Stiftsdame
Neben ihrer Wohnadresse im Palais Enzenberg zu Schwaz hatte Marie Gabrielle seit
1935 eine Adresse im Adeligen Damenstift
Marie Gabrielle in der Schwesterntracht des Roten
Kreuzes, 1915. Die Fotografie trägt ihre eigenhändige
Unterschrift.
Florence-Nightingale-Medaille
Zurückgekehrt engagierte sich Marie Gabrielle Lodron sofort beim Heimkehrerdienst des Roten Kreuzes Tirol. In den
1930er-Jahren ist sie als Lehrschwester
sowohl bei Hauskrankenpflege- als auch
bei Kursen für „weibliche Samariter“ (=Sanitäterinnen) (!) des Tiroler Roten Kreuzes
belegt. Hauptberuflich arbeitete sie bei einem Innsbrucker Orthopäden.
Am 2. Juli 1929 wurde Marie Gabrielle
Lodron in Innsbruck die höchste Auszeichnung des Internationalen Roten Kreuzes
für Krankenpflegepersonal, die Florence-
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Marie Gabrielle Lodron im Lazarett in Pellizzano, ~1915–1918.
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Marie Gabrielle zu Lodron-Laterano im Alter von rund
30 Jahren, Fridolin Arnold, ~1910.
In ihren 1931 erschienenen „Souvenirs de
guerre“ schreibt „Schwester Ella“, wie Marie Gabrielle auch genannt wurde: „Beseelt
vom Geist des edlen Gründers des Roten
Kreuzes, Henri Dunant, und inspiriert von
Florence Nightingale, die vor ihm für dieselbe Idee gearbeitet hatte, machten wir
uns nicht auf den Weg gegen den Feind,
sondern wünschten aus tiefstem Herzen,
jedem Mann zu helfen und ihn zu pflegen,
der sein Blut für sein Vaterland vergießen
musste.“ Es folgen Schilderungen der medizinischen und psychischen Versorgung
verwundeter Soldaten, der schwierigen
hygienischen Bedingungen in den Feldla-
Marie Gabrielle Lodron verstarb am
14. Juni 1964 in Schwaz. Sie liegt in der
Grabstätte des Theresianischen Damenstifts auf dem Innsbrucker Westfriedhof
begraben.
E
© PRIVATARCHIV ENZENBERG (3)
Kriegserinnerungen
zaretten, des Kampfes gegen Infektionskrankheiten und den Wundstarrkrampf,
der Bestattung der Leichen mit „Kalkwasser“ (Kalkmilch, Calciumhydroxid) in
Sammelgräbern oder überstürzter Evakuierungen aktiver Lazarette. Sie geben wieder, was viele jener Frauen, die als säkulare Helferinnen oder als Ordensschwestern
am Ersten Weltkrieg teilnahmen, erfahren
haben.
Nach zuerst mehrmonatigem Einsatz in
Frankreich sollte sich Marie Gabrielle in
Galizien alleine einer Sanitätskolonne
anschließen, die wahrscheinlich mit der
„Freiwilligen Sanitätskolonne Tirol II vom
Roten Kreuz“ identifiziert werden kann. Da
sie die Kolonne in Bielsko/Bielitz verpasste, reiste sie ihr über mehrere Tage nach.
In Tuchów gelang es ihr schließlich, sie
einzuholen. Im Juni 1915 wurde die Sanitätskolonne Tirol II infolge des Kriegseintrittes Italiens nach Südtirol verlegt. Wir
finden Schwester Ella ab jetzt im Sulztal
(Val di Sole) und in Pellizzano. Hier erlebte sie nicht nur die Folgen des Einsatzes
von Giftgas, sondern auch Opfer von Lawinen wurden behandelt. Als die Spanische Grippe ausbrach, weitete man die
Tätigkeit des Lazaretts auf die Zivilbevölkerung aus. Hier am Tonalepass soll Marie
Gabrielle als Oberschwester ein Typhusspital geleitet haben.
Nach überstürztem Abzug aufgrund der
vorrückenden italienischen Truppen ge-
O
sitz auf ihren Onkel Albert Graf zu LodronLaterano über. Marie Gabrielles Mutter
ging somit des Schlosses Biberstein verlustig. Vermutlich übersiedelte die Familie
daraufhin nach Schwaz.
Marie Gabrielle Lodron wurde zunächst
beim Bayerischen Roten Kreuz in München zur Krankenschwester ausgebildet.
Als der Erste Weltkrieg ausbrach, meldete
sie sich freiwillig zum Dienst in den Feldsanitätsanstalten. Als ausgebildete Krankenschwester gehörte sie zu einer von
den Feldchirurgen bevorzugten Gruppe
von Helferinnen. Denn im Gegensatz zu
den nur kurz ausgebildeten Hilfsschwestern konnten diese auch bei Operationen
assistieren.
REGI
M
arie Gabrielle Gräfin zu Lodron-Laterano wurde am 14. November 1880 in Meran als Tochter von Hubert Graf und Emma Gräfin zu
Lodron-Laterano und Castelromano geboren. Bis zum frühen Tod ihres Vaters
1885 verbrachte sie ihre Kindheit auf dem
Stammsitz der Eltern Schloss Biberstein
in Himmelberg. Da der Vater ohne männlichen Stammhalter verstarb und ihre Großväter aus der Linie des Zweitgeborenen der
Lodron entstammten, ging aufgrund des
Familienfideikommisses der Familienbe-
Tod und Begräbnis
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