Innsbruck Informiert
Jg.2025
- S.3
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Geschichte
Rückblick auf die
Winterspiele 1976
Als die US-Stadt Denver 1972 überraschend auf die Austragung der Winterspiele
1976 verzichtete, sprang Innsbruck ein – nur zwölf Jahre nach seinen ersten
Olympischen Winterspielen 1964. Österreich präsentierte sich erneut als
verlässlicher Partner, weltoffen und effizient organisiert. Dank der bereits
vorhandenen Infrastruktur und der Erfahrung mit Olympia wurde Innsbruck im
Februar 1973 vom IOC für 1976 ausgewählt.
T
rotz der kurzen Vorbereitungszeit gelang eine reibungslose Organisation: Nur
wenige Sportneubauten, weitgehende Nutzung der seit 1964 existierenden Anlagen, konsequente
Kostendisziplin und ein erfahrenes
Organisationskomitee prägten die
Planung. Aus der Bevölkerung kam
breite Unterstützung: Rund 10.000
Freiwillige halfen mit, Schulen organisierten Fanaktionen und in
ganz Tirol spürte man eine wahrnehmbare Olympia-Begeisterung.
Die patriotische Stimmung wurde
zusätzlich genährt durch die Er-
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INNSBRUCK INFORMIERT
folge österreichischer AthletInnen:
Franz Klammer, Brigitte Totschnig,
Karl Schnabl und Toni Innauer wurden zu HeldInnen, eine regelrechte „Klammer-Mania“ erfasste das
ganze Land.
Die Spiele waren kompakt organisiert – die oft gebrauchte Bezeichnung „Olympia der kurzen Wege“
war Programm: Die Wettkampfstätten lagen räumlich nahe beieinander, was die Logistik vereinfachte und die Aufenthaltsqualität
erhöhte. Im Stadion Bergisel fand
die feierliche Eröffnung statt, begleitet von Musik, Fahneneinzügen
und dem olympischen Feuer. Spannende Wettkämpfe, sportliche Dramen und unvergessliche Emotionen
prägten die Stimmung – in der Bevölkerung, in den Medien und im internationalen Blick.
Doch neben Sport und Bühne hatten die Spiele auch immense Auswirkungen auf Innsbruck selbst:
Die Veranstaltung brachte einen
spürbaren städtischen Impuls.
Neue Verkehrsachsen und Brücken entstanden, Straßen- und
ÖPNV-Netze wurden erweitert,
das zweite Olympische Dorf wurde
errichtet und später als regulärer
Stadtteil ausgebaut. Die bereits
bestehende O-Dorf-Wohnsiedlung
wurde um Schulen, Hallenbad und
Freizeitzentren erweitert. Die Modernisierung der Sportstätten, die
infrastrukturellen Anlagen und die
städtebauliche Entwicklung stärkten das Selbstverständnis Innsbrucks als sportliche Hauptstadt
der Alpen und als Stadt mit Zukunft.
Eine treibende Kraft hinter all dem
war Bürgermeister DDr. Alois Lugger, der von 1956 bis 1983 im Amt
war. Unter seinem Spitznamen
„Olympia-Luis“ war er als Bewerber, Stadtgestalter und Visionär bekannt, der mit Weitsicht die Olym-
piabewerbung, das Bauprogramm
und die städtischen Maßnahmen
vorantrieb. 1976 war er stellvertretender Vorsitzender des Organisationskomitees. Dank seiner Initiative und politischen Kreditfähigkeit
konnte Innsbruck rasch und mit Beständigkeit wachsen.
Heute, fast 50 Jahre später, bleiben
die Olympischen Winterspiele 1976
in Innsbruck nicht nur als Sportfest
in Erinnerung, sondern als ein Wendepunkt in Stadtentwicklung, Identität und internationaler Wahrnehmung – ein Ereignis, das die Stadt
MF
nachhaltig geformt hat.
Olympische
Winterspiele
1976–2026
Eine neue Publikation des Innsbrucker Stadtarchivs
macht das sportliche Erbe Innsbrucks sichtbar.
I
nnsbruck festigte als Gastgeberin
mit der zweiten Austragung dieses globalen Wintersportereignisses ihren Ruf als „Sportstadt“ und
avancierte zur inoffiziellen „Hauptstadt des Wintersports“. Anlässlich
des 50-Jahr-Jubiläums der Spiele
von 1976 entstand nun in Zusammenarbeit von Universität Innsbruck und Stadtarchiv Innsbruck ein
reich illustriertes Buch. Unter den
Gesichtspunkten „Vorgeschichte –
Bedeutung – Nachwirkungen“ beleuchtet es die Geschichte der
Olympischen Spiele in Innsbruck
und richtet sich an alle historisch
Interessierten.
Inhaltlich geht es nicht um eine
sportliche Faktengeschichte. Vielmehr war das Ziel, die organisato-
rischen, strukturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
herauszuarbeiten. Das Themenspektrum reicht von den städtebaulichen Veränderungen im Zuge der
Spiele über die gescheiterten Bemühungen um erneute Bewerbungen Innsbrucks bzw. Tirols bis zur
ökologischen Nachhaltigkeit und
zu den Umweltauswirkungen sowie
kulturellen Reflexionen.
Die Publikation erscheint Ende
Jänner 2026 in der Reihe „Veröffentlichungen des Innsbrucker
Stadtarchivs“ (Hg. Joachim Bürgschwentner, Matthias Egger und
Wolfgang Meixner). Erhältlich ist der
Band im Stadtarchiv/Stadtmuseum
Innsbruck (Badgasse 2) bzw. unter
KR
www.innsbruck.gv.at/shop.
Die Freiwilligen:
Zehn Erinnerungen
Die Bandbreite an Aufgaben war schon bei den
Olympischen
Spielen
1976 groß und vielfältig
– sie reichte von Technik,
Veranstaltungslogistik,
Eventmanagement bis hin
zum medizinischen Support. Während der Spiele unterstützten Freiwillige die Medien und Presse
und arbeiteten in Kulturprogrammen,
leisteten
Shuttledienste für SportlerInnen, Gäste und FunktionärInnen und waren
zuständig für die VIP-Betreuung. Im Organisationsbüro halfen sie mit, die
Akkreditierungen auszugeben, und übernahmen
Übersetzungs- und Bürotätigkeiten. Während der
Wettkämpfe waren sie als
Ordnungskräfte im Einsatz oder wiesen dem Publikum im Stadion wie bei
An- und Abfahrt den richtigen Weg.
Die Innsbrucker Historikerin und Kulturwissenschaftlerin Univ.-Prof. Dr.
Silke Meyer lässt in ihrem
Beitrag zehn ehemalige
Freiwillige zu Wort kommen. Neben den Erinnerungen an die Nähe zu
Stars wie Franz Klammer
wird deutlich, wie wichtig ihnen die Identifikation mit den Spielen und
mit dem Austragungsort
Innsbruck heute noch
AS
ist.
SONDERAUSGABE INNSBRUCK INFORMIERT
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