Innsbruck Informiert

Jg.2025

- S.5

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Sportanlagen und mehr

Die Olympischen Winterspiele 1976 waren für Innsbruck weit mehr
als ein Sportereignis – sie waren ein Modernisierungsschub, der
Stadtbild, Infrastruktur und Lebensqualität nachhaltig prägte.
Viele Projekte waren längst geplant, wurden durch Olympia aber
beschleunigt umgesetzt.
Neue Wege und Brücken
Mit den Spielen erhielt Innsbruck
eine deutlich verbesserte Verkehrsanbindung. Die neue Reichenauer Brücke verband die östlichen
Stadtteile und schloss eine wichtige Lücke im Straßennetz. Zahlreiche Straßenbauprojekte – etwa an
der Hallerstraße, in Seefeld und
Axams – wurden umgesetzt oder
vorgezogen. Die Stadt erhielt neue
Verkehrsachsen und Buslinien, die

das Olympische Dorf und die Austragungsorte effizient erschlossen. Die IVB-Halle, ursprünglich als
Straßenbahndepot geplant, wurde
rechtzeitig fertiggestellt und während der Spiele als modernes Fernsehzentrum genutzt. Auch das neu
errichtete Pressezentrum diente
zunächst der internationalen Berichterstattung und wurde später
von der Universität Innsbruck sowie der Pädagogischen Akademie

genutzt – heute beherbergt es die
Praxisvolksschule.

Bildung, Sport und Wohnen
Im Osten der Stadt wuchs mit der
Erweiterung des Olympischen
Dorfs ein völlig neuer Stadtteil heran. Das „O-Dorf II“ mit seinen
642 Wohnungen, der größten
Hauptschule Westösterreichs, einem Hallenbad und vielfältigen
Freizeiteinrichtungen deckte nicht

Bergisel

Die traditionsreiche
Sprungschanze war 1976
Austragungsort der
Sprungbewerbe und der Eröffnungsfeier. Karl Schnabl holte hier Gold auf der
Großschanze vor Toni
Innauer – ein Doppelerfolg,
der die ZuschauerInnen
am Bergisel begeisterte.
Heute ist die Schanze eine
der modernsten der Welt,
Wahrzeichen der Stadt und
Schauplatz der Vierschanzentournee. Die von Zaha
Hadid neu gestaltete Anlage mit Café und Aussichtsplattform zieht jährlich
Zehntausende BesucherInnen an.

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50 JAHRE OLYMPIA

© STADTARCHIV/STADTMUSEUM INNSBRUCK/R. FRISCHAUF (3)

Olympische
Schauplätze
Olympiahalle (Eisstadion)

Die Fans waren bei den Eisschnelllauf-Bewerben hautnah dabei.

Olympia Eisschnelllaufbahn

In der für die Winterspiele 1964 errichteten Olympiahalle
wurden 1976 die Wettbewerbe im Eiskunstlauf und Eishockey sowie die Schlussfeier abgehalten. Heute ist sie Teil
des modernen Sport- und Veranstaltungszentrums Olympiaworld Innsbruck und dient als multifunktionale Arena
für Sport, Kultur und Konzerte. Sie bietet heute Raum für
bis zu 12.000 ZuseherInnen. Mit der Eröffnung der Tiroler
Wasserkraft Arena im Jahr 2005 wurde der Komplex erweitert und technisch auf den neuesten Stand gebracht.
Die zusätzliche Halle ergänzt die historische Olympiahalle
und bietet Platz für rund 3.000 ZuschauerInnen. Sie wird
vor allem für den Eishockeybetrieb für Trainingseinheiten
und Nachwuchssport genutzt.

Einzigartige Freiluftanlage Österreichs, 1976
modernisiert. Sie diente als Bühne für packende
Wettkämpfe und ist heute Trainingsstätte des
österreichischen Nationalteams sowie beliebter
Treffpunkt für FreizeitläuferInnen und Schulklassen. Im Sommer verwandelt sie sich in eine
Inline-Hockeyfläche und Konzertbühne.

nur den Bedarf an Unterkünften für
AthletInnen, sondern erweiterte
zugleich das Angebot an Wohn-, Bildungs- und Sportinfrastruktur für
die wachsende Stadtbevölkerung.
In unmittelbarer Nähe der Olympiahalle wurde das neue Landessportheim errichtet, das Innsbruck nachhaltig als Zentrum für Ausbildung
und Leistungssport positionierte.

Technik und Symbolik
Auch technisch setzte Innsbruck
Maßstäbe: 1976 war Innsbruck die
erste Stadt Westösterreichs mit
Farbfernsehen – die Spiele wurden als farbenfrohes Medienereignis in die Welt getragen. Die
baulichen Investitionen – von der
Reichenauer Brücke über die modernisierte Bergiselschanze bis zur
neuen Kunsteisbahn in Igls – verliehen der Stadt ein modernes Gesicht. Gemeinsam schufen sie die
Grundlage für das Innsbruck, das
wir heute kennen: eine sportliche,
gut vernetzte und lebenswerte
Stadt, deren Entwicklung durch die
Olympischen Spiele entscheidend
MF
beschleunigt wurde.

Olympischer
Eiskanal Igls

Für 1976 völlig neu errichtet, mit
kombinierter Bob- und Rodelbahn und künstlicher Vereisung.
Der österreichische Doppelsitzer
Rudolf Schmid/Franz Schachner
gewann Bronze. Heute ist der
Olympia Eiskanal Innsbruck Trainingszentrum des Bob- und Skeletonverbandes, Austragungsort
zahlreicher Weltmeisterschaften
und ganzjährig ein touristisches
Highlight mit Gästefahrten.

Congress
Messe Innsbruck

Einst „Messehalle“ und Austragungsort der
Eishockeyspiele, heute internationales Kongress- und Messezentrum, Schauplatz der
Interalpin und zahlreicher Tagungen – ein
Symbol für den nachhaltigen Strukturwandel
nach Olympia.

Doppelsitzer Schmid/Schachner
rasten zu Bronze im Eiskanal Igls.

Olympisches Dorf:
Wohn(t)raum mit Geschichte
Südlich des bestehenden Olympischen
Dorfs von 1964 begann im Mai 1973 der
Bau des neuen „O-Dorf II“. Ziel war, für die
Winterspiele 1976 moderne Unterkünfte
für AthletInnen zu schaffen und diese nach
dem Großereignis als leistbaren Wohnraum
für Innsbrucker Familien zu nutzen.
Zwischen 1973 und 1976 entstanden zu
den 1964 erbauten acht Hochhäusern mit
insgesamt 689 Wohnungen weitere 642
Wohnungen und 35 Wohnhäuser, eine
Hauptschule, eine Dreifachturnhalle, ein
Hallenbad mit Sauna, ein Rezeptionsgebäude sowie eine Mehrzweckhalle mit Jugendhort. Schon kurz nach der Schlussfeier
zogen die ersten BewohnerInnen ein –
das Olympische Dorf wurde zu einem neuen, lebendigen Stadtteil Innsbrucks.
Heute leben im Stadtteil rund 7.220 Menschen aus insgesamt 76 Nationen. Das ODorf ist mit 15.486 EinwohnerInnen der am
dichtesten besiedelte Stadtteil Innsbrucks.
Es verfügt über Schulen, Sport- und Kulturvereine, Nahversorgung, ein modernes
Pflegeheim und vielfältige Freizeitmöglichkeiten – von der Eissportanlage bis zu den
Parks am Inn. Das Quartier gilt als Vorzeigeprojekt nachhaltiger Stadtentwicklung:
Bereits vor der Vergabe der Spiele war eine
Erweiterung des bestehenden Nordteils
geplant gewesen, inklusive Freizeitzentrum, Hauptschule und Hallenbad – Olympia
beschleunigte die Umsetzung lediglich.
„Sämtliche Bauten wurden so errichtet,

© 1976 / INTERNATIONAL OLYMPIC COMMITTEE (IOC)

Olympia brachte
den Fortschritt

dass sie nach den Spielen der Bevölkerung
zugutekamen“, schrieb Pressereferent
Bertl Neumann im offiziellen Abschlussbericht von 1976.
Die Idee der „Nachnutzung“ prägt das ODorf bis heute: Aus der einst geschlossenen Olympiaanlage wurde ein offenes,
vielfältiges Wohnviertel mit starkem Gemeinschaftssinn. Der Sportverein Olympisches Dorf / Neu-Arzl (SVO), 1975 gegründet, ist mit zahlreichen Sektionen – von
Handball über Basketball bis Gymnastik –
fixer Bestandteil des Stadtteillebens.
In den vergangenen Jahren erhielt das
„Dorf in der Stadt“ ein neues, modernes
Gesicht: Im Rahmen des EU-geförderten
Stadtentwicklungsprojekts
„COOLYMP“
wurde der Alois-Lugger-Platz gemeinsam
mit der Bevölkerung neu gestaltet. Mehr
Grün, Schattenbäume, Wasserelemente,
Sitzgelegenheiten und barrierefreie Wege
machen ihn zum beliebten Treffpunkt für
Jung und Alt – ein Ort der Begegnung und
Abkühlung im Sommer. Gleichzeitig wurde
2025 der für die Spiele 1964 erbaute Olympiapark, ein Erholungsraum zwischen Luggerplatz und An-der-Lan-Straße revitalisiert – mit neuen Freizeitflächen, Hügeln,
Wegen und Aufenthaltszonen.
Das O-Dorf bleibt damit, 50 Jahre nach
seiner Entstehung, ein lebendiges Erbe der
Olympischen Spiele 1976 – ein Stadtteil, der
aus sportlicher Geschichte urbanes Leben
MF
gemacht hat.

Patscherkofel

Franz Klammer raste 1976 mit 1:45,73 zur Goldmedaille im Abfahrtslauf – ein Moment für die Ewigkeit. Heute lockt der Patscherkofel Sommer wie Winter mit Panoramawegen, der neuen
Patscherkofelbahn, Familienangeboten und dem Gipfelrestaurant
„Das Kofel“. Sportlich, aussichtsreich, geschichtsträchtig.

Olympiaregion
Seefeld & ToniSeelos-Schanze

In der Axamer Lizum kämpften
die Damen um Edelmetall.

Axamer Lizum

Die Damenabfahrt am Hoadl bescherte Österreich eine Silbermedaille durch Brigitte Totschnig. Heute ist die Axamer Lizum
mit neun Liftanlagen, 40 Pistenkilometern und atemberaubendem Panorama eines der beliebtesten Skigebiete im Großraum
Innsbruck. Viele Abfahrten tragen noch die Namen der olympischen Rennen.

Der Kofel: Heute Hausberg, damals
Schicksalsberg.

Nordisches Zentrum
der Spiele mit Biathlon,
Langlauf und Nordischer
Kombination. Heute internationales Trainingszentrum mit mehr als
250 Loipenkilometern
und moderner Schanzenanlage – Wettkampfstätte der Nordischen
Skiweltmeisterschaften
2019.

SONDERAUSGABE INNSBRUCK INFORMIERT

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