Innsbruck Informiert

Jg.2026

/ Nr.2

- S.8

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Wie Olympia bis
heute Ringe zieht
Olympia war für Innsbruck mehr als ein sportliches Großereignis. Die
Winterspiele 1976 wurden zum Motor für sozialen Wohnbau und neue
Mobilitätslösungen. Ein Rückblick auf ein Stadtentwicklungsprojekt, dessen
Wirkung bis heute spürbar ist.

A

ls Innsbruck 1976 zum zweiten Mal
Austragungsort Olympischer Winterspiele war, wurden zentrale Weichen
für die Stadtentwicklung gestellt. Olympia
diente als strategisches Instrument, um
dringend benötigten Wohnraum zu schaffen und die Mobilität einer wachsenden
Stadt neu zu ordnen. Viele dieser Entscheidungen prägen Innsbruck bis heute.
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INNSBRUCK INFORMIERT

Nach den Zerstörungen des Zweiten
Weltkriegs und einem anhaltenden Bevölkerungswachstum herrschte über
Jahrzehnte akute Wohnungsnot. Viele Innsbrucker:innen lebten noch in Substandard-Wohnungen oder in Barackensiedlungen. In diesem Kontext entstand
das Olympische Dorf nicht als temporäre Lösung, sondern als dauerhaftes Ange-

bot für leistbares Wohnen. Bereits 1964,
und in noch größerem Maßstab 1976, entschied sich die Stadt bewusst für öffentlichen Wohnbau mit langfristiger Perspektive.

HER

UCK (3)

SBR
TADTMUSEUM INN

© STADTARCHIV/S

© C. FORC

Fünf Ringe, ein Zuhause: Was für Olympia
gebaut wurde, prägt Innsbruck bis heute.

642 Wohnungen errichtet – ergänzt durch
eine Hauptschule, ein Hallenbad und
großzügige Grünflächen. Für viele neue
Bewohner:innen bedeutete der Umzug einen sozialen Aufstieg: erstmals eine eigene Wohnung mit zeitgemäßer Ausstattung,
Licht, Luft und Freiraum. Stadträtin Janine
Bex, BSc, ressortzuständig für Stadtentwicklung, betont: „Die Olympischen Winterspiele 1976 haben ganz konkret das Leben vieler Menschen verbessert – weil aus
einem internationalen Großereignis dauerhaft leistbarer Wohnraum entstanden ist.“
Olympia wurde hier zur realen Chance auf
ein besseres Leben.
Gleichzeitig zeigten sich bald auch die
Grenzen der damaligen Planung. Die starke
Konzentration auf ökonomische und pragmatische Amtsplanung, die geringe soziale
Durchmischung und fehlende Treffpunkte
führten rasch zu einer sozialen Abschottung des neuen Stadtteils. Cafés, jugendgerechte Angebote oder niederschwellige
soziale Infrastruktur waren zunächst kaum
vorgesehen. Diese Erfahrungen machten
deutlich, dass Stadtentwicklung mehr ist
als Wohnbau allein. In den folgenden Jahren wurde gezielt nachgebessert – etwa mit
zusätzlichen sozialen Einrichtungen und
einem Jugendzentrum – um das Quartier

Im Rekordtempo entstand das zweite Olympische Dorf zu den Winterspielen 1976.

langfristig zu stärken.

Neue Verbindungen
Neben dem Wohnbau war Olympia auch
ein entscheidender Motor für die Mobilitätsentwicklung der Stadt. Straßen, Brücken und Verkehrsachsen, die teils seit
Jahren geplant waren, konnten vorgezogen und umgesetzt werden. Die Olympiabrücke verband erstmals leistungsfähig
Stadtteile über die Bahnanlagen hinweg
und wurde zum Symbol einer neuen urbanen Ost-West-Verbindung. Der Ausbau des
Südrings sowie neuer Innquerungen verbesserte die Erreichbarkeit insbesondere
der wachsenden Stadtteile im Osten.
Diese Infrastruktur folgte dem damali-

„Olympia hat Innsbruck nicht nur sichtbar
gemacht, sondern strukturell verändert.
Was damals gebaut wurde, prägt unsere
Stadt bis heute – und erinnert uns daran,
Stadtentwicklung immer langfristig zu denken.“
Stadträtin Janine Bex, BSc

gen Leitbild der modernen, funktionalen
Stadt. Auch wenn sich Mobilitätsstrategien seither grundlegend verändert haben, bilden diese Maßnahmen bis heute
das Rückgrat der Stadtentwicklung. Zugleich profitierten auch Sport- und Freizeitinfrastrukturen nachhaltig von Olympia: Trainingsstätten, Hallen und Anlagen
wurden nicht nur für die Spiele errichtet,
sondern bereichern bis heute den Alltag
von Vereinen, Schulen und der breiten
Bevölkerung.
50 Jahre nach den Winterspielen von
1976 ist das olympische Erbe klar erkennbar: neue Stadtteile, leistbarer
Wohnraum, tragfähige Verkehrsverbindungen und dauerhaft genutzte öffentliche Infrastrukturen. Gleichzeitig erinnert
es daran, dass gute Stadtentwicklung
mehr braucht als Tempo und Effizienz –
nämlich soziale Durchmischung, Begegnungsräume und langfristige Verantwortung. Genau darin liegt die bleibende
Lehre aus Olympia für das Innsbruck von
heute. DJ

Bürgermeister Alois Lugger („Olympia-Luis“, links
im Bild) legte am 3. Mai 1973 den Grundstein für
das zweite Olympische Dorf.

Sozialer Aufstieg
Mit dem Olympischen Dorf II wurden in
Rekordtempo 35 Gebäude mit insgesamt
INNSBRUCK INFORMIERT

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